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mid Groß-Gerau - Mithilfe von Künstlicher Intelligenz sollen autonom fahrende Autos gefährliche Situationen selbstständig erkennen können. Continental
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Andreas Reiners - 11. Juni 2018, 16:29 Uhr - 4x4 Allrad NEWS

Fahrschule für intelligente Autos

Automatisiertes Fahren soll die Zukunft sein. Dabei geht sie immer noch um, die Angst vor dem Autopiloten. Denn Unfälle mit autonomen Autos sorgen weltweit immer wieder für Schlagzeilen. Genau da will Technologie-Konzern Continental ansetzen. Mit einer Computer-Vision-Plattform, die Künstliche Intelligenz (KI), neuronale Netze und maschinelles Lernen einsetzt, sollen Sensor-Technologien verbessert werden.


Automatisiertes Fahren soll die Zukunft sein. Dabei geht sie immer noch um, die Angst vor dem Autopiloten. Denn Unfälle mit autonomen Autos sorgen weltweit immer wieder für Schlagzeilen. Zweifel, Bedenken und Sorgen der Menschen in die Technik wachsen. Dabei könnte es so einfach sein. Stressfrei. Keine Angst mehr, stattdessen: Zurücklehnen, entspannen. Den Computer machen lassen, ohne sich Gedanken machen zu müssen.

Geht nicht? Ein Computer kann einen Menschen nicht zu 100 Prozent ersetzen, seine Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Instinkte und Reaktionen? Vor allem nicht vorausschauend? Dabei geht es im Straßenverkehr ja nicht nur darum, was rund um das Auto passiert, sondern was auch passieren könnte. Vorausschauendes Fahren also. Sprich: Nicht nur bloßes Reagieren bei bestimmten Vorkommnissen, sondern auch aktives Agieren, um Unfälle bereits im Ansatz zu vermeiden.

Genau da will der Technologie-Konzern Continental ansetzen. Mit einer Computer-Vision-Plattform, die Künstliche Intelligenz (KI), neuronale Netze und maschinelles Lernen einsetzt, sollen Sensor-Technologien verbessert werden. In der fünften Generation der Multifunktionskamera von Continental, die 2020 in Produktion gehen wird, kommen neben klassischen Computer-Vision-Verfahren auch neuronale Netze zum Einsatz. Neuronale Netze bestehen aus mathematischen Einheiten, die lernfähig sind und komplexe Funktionen verarbeiten sowie ausführen können. Sie lassen sich skalieren und verfeinern durch intelligente Algorithmen das Szenenverständnis für die Intentions- und Gestenklassifikation von Fußgängern, erklären die schlauen Köpfe des Unternehmens.

"Für die Übernahme menschlicher Aufgaben spielt KI eine große Rolle. Mit KI-Software wird das Fahrzeug in der Lage sein, auch komplexe und nicht vorhersehbare Verkehrssituationen zu interpretieren - es geht nicht mehr darum, was vor dem Fahrzeug ist, sondern was könnte kommen", sagt Karl Haupt, Leiter des Geschäftsbereichs Fahrerassistenzsysteme bei Continental. "Wir verstehen KI als Schlüsseltechnologie gerade für das automatisierte
Fahren. KI ist Teil der automobilen Zukunft."

Soll heißen: Ein automatisiertes Fahrzeug muss in der Lage sein, wie ein Fahrer, der die Umgebung mit seinen Sinnen wahrnimmt, die Informationen mit seiner Intelligenz verarbeitet, Entscheidungen trifft und diese mit Händen und Füßen in die Bedienung des Autos umsetzt, zu (re-)agieren. Hier ist eine Leistungsfähigkeit gefordert, die der des Menschen mindestens ebenbürtig ist.

"Das Auto soll so intelligent werden, dass es sowohl seinen Fahrer als auch seine Umwelt versteht", sagt Robert Thiel aus dem Geschäftsbereich Fahrerassistenzsysteme. KI-Algorithmen sollen die Bewegungsabsicht eines sich annähernden Fußgängers bereits vorher erkennen. In dieser Hinsicht ähneln sie einem erfahrenen Autofahrer, der eine solche Situation instinktiv als potenziell kritisch erkennt und sich frühzeitig darauf einstellt zu bremsen. Es geht darum, ein vollständiges Szenenverständnis zu entwickeln, mithilfe dessen Vorhersagen über künftige Handlungen getroffen werden können und entsprechend reagiert wird.

Wie das funktionieren soll? Mit einer Art Fahrschule für die Künstliche Intelligenz. Denn auch die KI-Systeme müssen ihre Fähigkeiten erst erlernen. Was für den Autofahrer die Fahrschule ist, ist bei der KI das "Supervised Learning". Dabei analysiert die Software gewaltige Datenmengen, um daraus erfolgreiche und nicht erfolgreiche Handlungsstrategien abzuleiten und dieses erlernte Wissen später im Fahrzeug anzuwenden.

Die zentrale Lernfähigkeit der Algorithmen wird dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Damit sie irgendwann nicht mehr umgeht, die Angst vor dem Autopiloten.

Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEWS wurde von Andreas Reiners am 11.06.2018, 16:29 Uhr veröffentlicht.