Ralf Loweg (vm) - 10. September 2014, 13:41 Uhr - 4x4 Allrad NEWS
Ferrari-Chef Montezemolo muss abdanken
23 Jahre war Luca di Montezemolo der uneingeschränkte Herrscher bei Ferrari.
"Das ist das Ende einer Ära, und daher habe ich mich entschieden, meinen Posten als Präsident zu räumen, nach herrlichen und unvergesslichen Jahren", schrieb Luca di Montezemolo in seinem "Abschiedsbrief". Der 67-jährige Italiener hatte einst als Assistent des legendären Enzo Ferrari seine Karriere bei den "Roten" begonnen.
Seine große Liebe war der Motorsport, und da vor allem die Formel-1-Weltmeisterschaft. Luca di Montezemolo formte aus dem ehemals chaotischen Rennstall ein Sieger-Team. Er investierte viel Zeit und noch mehr Geld im Laufe der Jahre in die ruhmreiche "Scuderia". Und es war Montezemolo, der einst Michael Schumacher zu Ferrari holte. Der deutsche Rennfahrer dankte es ihm und gewann fünf seiner insgesamt sieben WM-Titel in einem der berühmten Renner aus Maranello.
Doch in den vergangegen Jahren ging es mit Ferrari auf der Rennstrecke bergab, die Bilanz des Formel-1-Teams ist eher ernüchternd. Die Marke mit dem "Springenden Pferd" im gelben Wappen holte nur einen WM-Titel in den vergangenen zehn Jahren. Und in diesem Jahr fährt Ferrari den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher. Während Rivale Mercedes-Benz mit den neuen technischen Regeln perfekt zurechtkommt und von Sieg zu Sieg eilt, sind die Vorstellungen von Ferrari ein einziges Trauerspiel. Im April hatte die Krise des Rennstalls schon Teamchef Stefano Domenicali den Job gekostet. Viel gebessert hat sich bislang nichts.
Zuletzt hatten italienische Medien über einen Konflikt zwischen Luca di Montezemolo und Konzernchef Sergio Marchionne berichtet, der sich besonders an den sehr schwachen Leistungen des Formel-1-Teams entzündet habe. Sergio Marchionne räumte Meinungsverschiedenheiten mit Luca di Montezemolo über die Führung des Rennstalls ein. Trotz der Top-Fahrer Kimi Räikkönen und Fernando Alonso ist Ferrari 2014 kein Sieger-Team. Sergio Marchionne zog sich jetzt diplomatisch aus der Affäre: "Ich will Luca persönlich für all das danken, was er für mich, Ferrari und Fiat getan hat." Das klingt irgendwie nach einem Rausschmiss "erster Klasse".
Wegen der Fusion von Fiat mit Chrysler und der im Oktober geplanten Börsennotierung an der New Yorker Wall Street beginne laut Luca di Montezemolo "eine neue Phase", und es sei richtig, dass das Unternehmen von Fiats Vorstandsvorsitzendem Sergio Marchionne geführt werde.
Die wirtschaftlichen Ergebnisse Montezemolos bezeichnete Marchionne als sehr gut, aber im Fall von Ferrari müsse man auch die sportlichen Ergebnisse berücksichtigen. "Seit sechs Jahren gewinnen wir nicht mehr", hatte er zuletzt nach dem Großen Preis von Italien in Monza gesagt. Letzter Ferrari-Weltmeister war Kimi Räikkönen 2007.
Und wie geht es jetzt weiter mit Ferrari? Laut der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" wird künftig wohl der Ferrari-Geschäftsführer Amedeo Felisa an der Seite von Sergio Marchionne sitzen. Ein US-Manager von Chrysler soll das Führungsgespann als drittes Mitglied vervollständigen.
Doch das letzte Wort gehört Luca di Montezemolo: "Ferrari ist die schönste Firma in der Welt. Es war ein großes Privileg und eine Ehre, diese Firma geführt haben zu dürfen. Ich habe meinen ganzen Enthusiasmus eingebracht. Zusammen mit meiner Familie war es und bleibt es das wichtigste in meinem Leben." Fiat-Chef Sergio Marchionne erwähnt er dagegen mit keiner Silbe.
Ralf Loweg
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